PODCAST: NEU! HAMBURG PULS KRIMI: Blutwasser – Ein mörderischer Hafengeburtstag
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Moin und herzlich willkommen Hamburg Puls Krimi – heute mit einem Fall aus den Schatten unserer Stadt.
Blutwasser – Ein mörderischer Hafengeburtstag
Der Himmel über Hamburg war an diesem Freitagnachmittag in ein bleiernes, trübes Grau getaucht, als das ohrenbetäubende Tuten der riesigen Schiffshörner den 837. Hafengeburtstag feierlich eröffnete. Die feuchte Luft an den Landungsbrücken war zum Schneiden dick, geschwängert mit dem süßlichen Geruch nach gebrannten Mandeln, frisch im Bierteig gebackenem Backfisch, dem unverwechselbaren Aroma von herbem Elbwasser und dem schweren, öligen Diesel der stolzen Pötte. Hunderttausende Menschen drängten sich fröhlich lachend an den steinernen Kaimauern, um die große und weltberühmte Einlaufparade zu bestaunen. Doch für Hauptkommissar Keno Harms von der Hamburger Mordkommission sollte dieses ausgelassene Volksfest in einem grausamen Albtraum enden.
Eigentlich hatte Harms einen seiner seltenen freien Tage. Er stand mit einem kühlem Astra in der Hand in der Nähe der Überseebrücke und beobachtete gedankenverloren, wie sich der majestätische russische Viermaster langsam und gewaltig durch das aufgewühlte, trübe Wasser der Elbe schob. Die weißen Segel leuchteten blendend hell vor der dunklen, stählernen Kulisse der Containerkräne auf der anderen Flussseite. Die dicht gedrängte Menge jubelte, unzählige Kameras klickten im Sekundentakt. Doch abrupt erstickte dieser freudige Jubel der Zuschauer in einem schockierten, kollektiven Aufschrei. Eine eisige Panik breitete sich pfeilschnell aus, als der hölzerne Bug des historischen Schiffes den Zuschauern immer näher kam. Dort, grausam verheddert in den dicken, stählernen Gliedern der vor Rost blätternden Ankerkette, hing eine leblose menschliche Gestalt.
Tropfen für Tropfen fiel rotes Blut in die graubraunen Fluten der zornigen Elbe. Harms’ Instinkte erwachten sofort. Er ließ sein Bier fallen, drängte sich mit ausgefahrenen Ellenbogen durch die schreiende Menschenmasse und zückte seine Dienstmarke. Als das Schiff von den dröhnenden Schleppern abrupt gestoppt wurde und die eilig herbeigerufene Wasserschutzpolizei den Leichnam in ein wackliges Schlauchboot barg, erkannte Harms das blasse Gesicht des Toten sofort. Es war Hannes Lührs, ein berüchtigter und rücksichtsloser Reederei-Besitzer, der sich im Hamburger Hafen in den letzten Jahrzehnten mehr Feinde als Freunde gemacht hatte. Sein dunkler Kaschmir-Mantel war zerrissen, und in seiner kalten, starren Hand hielt er etwas krampfhaft umklammert: Eine antike, goldene Taschenuhr, die um Punkt fünf vor zwölf stehen geblieben war. Ein entscheidender Hinweis, der Harms’ Puls augenblicklich in die Höhe trieb.
Die erste Spur führte Harms weg vom lauten Getümmel des Hafenfests und tief in die von dunklen Schatten durchzogenen Schluchten der Speicherstadt. Während über der Elbe bereits mit ohrenbetäubendem Knallen das erste abendliche Feuerwerk für die Touristen gezündet wurde und den Himmel in ein surreales, rotes Licht tauchte, lag die alte Backsteinstadt in einer gespenstischen, drückenden Stille. Nur das sanfte, unheimliche Platschen des Wassers in den schwarzen Fleeten durchbrach die gespenstische Ruhe. Harms betrat vorsichtig einen alten, muffig riechenden Teppichspeicher am Wasserschloss. Die massive Eichentür stand einen Spaltbreit offen. Der Geruch von feuchtem Holz und jahrhundertealtem Staub stieg in seine Nase.
Sein Blick fiel auf einen hochgewachsenen Mann, der nervös vor einem geöffneten Tresor kauerte – Claas von Rantzau, der ehemalige, in Ungnade gefallene Geschäftspartner des Opfers. Von Rantzau trug genau das Gegenstück der goldenen Taschenuhr, die Harms beim Opfer gefunden hatte. Als der Mann den Kommissar bemerkte, flackerte nackte Verzweiflung in seinen aufgerissenen Augen auf. Er zog blitzschnell seine Pistole. „Er hat mir alles genommen, Harms! Alles!“, brüllte er, während seine Hände unkontrolliert zitterten. Doch Harms blieb eiskalt. Mit einem gezielten, routinierten Sprung in den nächsten dunklen Schatten wich er Rantzaus zittrigem Schuss aus, der krachend in einen Holzpfeiler einschlug. Im harten Nahkampf stießen die Männer wuchtig gegen die uralten Regale und wirbelten dicken, erstickenden Staub auf.
Mit einem brutalen, aber präzisen Griff verdrehte Harms dem Täter den Arm und drückte ihn gnadenlos auf den kalten, unnachgiebigen Dielenboden. Die kalten Handschellen klickten leise, aber unmissverständlich. Als Harms den gebrochenen Rantzau aus dem Lagerhaus und hinaus in die kühle Hamburger Nachtluft führte, explodierte drüben an den Landungsbrücken genau in diesem Moment das gigantische, goldene Finale des Feuerwerks. Die Menschen jubelten laut und ausgelassen. Niemand von ihnen ahnte, dass Hamburg an diesem Abend einen Mörder weniger hatte. Harms zog den Kragen seines Mantels hoch und blickte übers dunkle Wasser. Der Hafen feierte weiter – voller Leben, voller Lichter und wunderschön.
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