Die Knossis Abenteuer Geschichten: Folge 3: Die Knossis und die magische Zeitreise – Rettungsmission im Wilden Westen
DIE KNOSSIS FOLGE 3
Der dichte, weiße Nebel auf der Bühne des Hamburger Musical-Theaters lichtete sich langsam, doch die drückende, ungläubige Stille im Saal blieb. Wo eben noch ein beeindruckender, silbern glänzender Bühnen-DeLorean gestanden hatte, kokelten nur noch zwei tiefschwarze, erbarmungslos rauchende Reifenspuren in das alte Holz der Bühne.
König Knossi starrte mit offenem Mund auf die gähnend leere Fläche. Seine prunkvolle goldene Krone war völlig verrutscht, und er wischte sich fassungslos über die Augen.
„Das… das steht aber nicht im Skript“, stammelte König Knossi völlig perplex.
Mutti Knossi war die Erste, die den Schock überwand. Mit einem energischen Ruck sprang sie aus ihrem bequemen Theatersessel auf. Ihr unerschütterlicher Instinkt war augenblicklich erwacht und brannte in diesem Moment heißer als die Feuerspuren auf den Bühnenbrettern.
„Niemand klaut einfach so meinen geliebten Enkel Bubi Knossi! Und schon gar keine durchgeknallte Theater-Zeitmaschine!“, rief Mutti Knossi mit einer Bestimmtheit, die das restliche Publikum ehrfürchtig zusammenzucken ließ.
Während die Bühnenarbeiter noch panisch mit Feuerlöschern umherrannten, stürmte die Familie Knossi bereits aus dem Saal. Die funkelnden, abendlichen Lichter Hamburgs zogen wie verschwommene, leuchtende Schlieren an ihnen vorbei, als König Knossi das Familienauto zurück zur Knossi-Burg steuerte. Günther Jauch Knossi blätterte auf der Rückbank hektisch in einem dicken, in Leder gebundenen Notizbuch voller komplexer Formeln.
„Wenn meine spontanen quantenmechanischen Berechnungen stimmen“, murmelte der weise Günther Jauch Knossi und rückte seine Brille mit einem nachdenklichen Ausdruck zurecht, „dann hat der Bühnen-DeLorean durch eine völlig absurde statische Aufladung im Theaternetz und Bubi Knossis Knie-Klick tatsächlich einen temporalen Riss erzeugt. Bubi Knossi ist definitiv nicht mehr im Jahr 2026. Das Display zeigte kurz 1885 an. Er ist in der Vergangenheit!“
Lia Knossi tippte rasend schnell auf ihrem hochmodernen Smartphone herum.
„Ich durchsuche sofort alle digitalen historischen Datenbanken! Wenn Bubi Knossi im Jahr 1885 aufgetaucht ist... Moment! Ich hab was! Ein digitalisiertes Zeitungsarchiv des ‚Western Telegraph‘! Hier ist ein Artikel vom 4. September 1885 über ein ‚silbernes, qualmendes Teufelsgefährt‘ und einen gestrandeten Jungen. Sie schreiben, er steckt nahe der alten Silbermine fest. Es gibt sogar eine grobe Skizze – das ist ganz eindeutig Bubi Knossi!“
Mutti Knossi nickte anerkennend und ballte die Hände zu Fäusten.
„Hervorragende Arbeit, Lia! Dann wissen wir jetzt ganz genau, wohin wir müssen. Wir holen meinen Enkel Bubi Knossi zurück! Und zwar sofort!“
Kaum in der heimischen Burg angekommen, rannte Mutti Knossi zielstrebig in die königliche Garage hinab. Dort stand er: König Knossis ganzer Stolz. Der echte, blitzblank polierte DeLorean. Er roch nach teurem Autowachs und purem Abenteuer.
Günther Jauch Knossi schloss eilig ein paar funkensprühende Überbrückungskabel an die Batterie an und zog ein blau leuchtendes Gerät aus seiner Tasche.
„Ich habe hier noch einen experimentellen Prototyp eines Fluxkompensators. Eigentlich wollte ich damit nur die Küchengeräte optimieren, aber er sollte auch für einen Zeitsprung ausreichen. Die Parameter sind eingestellt auf den Wilden Westen. Ihr müsst exakt 88 Meilen pro Stunde erreichen!“
König Knossi, der sich hastig eine verspiegelte Pilotenbrille aufgesetzt hatte, wollte sich gerade theatralisch und heldenhaft auf den Fahrersitz schwingen. Doch eine sanfte, aber absolut unmissverständliche Hand hielt ihn am Ärmel zurück. Es war seine Mutter, Mutti Knossi. Sie hatte sich ein festes Paar Stiefel angezogen und einen staubigen, aber sehr schicken Cowboyhut aufgesetzt, den sie noch von der letzten Mottoparty im Schrank hatte. Über der Schulter trug sie ihren riesigen Picknickkorb.
„Oh nein, mein lieber Sohn König Knossi“, sagte Mutti Knossi mit einer ruhigen, aber eisernen Entschlossenheit. „Du bist viel zu aufgeregt. Du verwechselst nachher vor lauter Aufregung noch Gas und Bremse. Das hier ist ein Job für die erfahrene Mutti Knossi. Ich hole Bubi Knossi zurück!“
König Knossi schluckte schwer, nickte dann aber ehrfürchtig. Er kannte diesen Blick seiner Mutter. Wenn Mutti Knossi diesen Blick aufhatte, stellte man sich ihr besser nicht in den Weg.
„Viel Glück, Mama“, flüsterte König Knossi und umarmte sie fest und liebevoll. „Möge der Fluxkompensator mit dir sein.“
Mutti Knossi stieg ein, schloss die heavy Flügeltür und startete den Motor. Ein tiefes, kraftvolles Brüllen erfüllte die königliche Garage. Sie tippte das Datum in die Konsole ein: 05. September 1885. Dann trat sie das Gaspedal voll durch.
Der DeLorean raste die lange Auffahrt der Burg hinunter. Die Tachonadel kletterte unaufhaltsam nach oben. 60... 70... 80... Blaue Blitze begannen, das silberne Auto zu umtanzen. Mutti Knossi klammerte sich an das Lenkrad, der Korb mit den Schokotropfen-Keksen hüpfte auf dem Beifahrersitz auf und ab.
88 MEILEN PRO STUNDE!
Ein ohrenbetäubender Knall, ein grelles, himmelblaues Licht, das die Nacht zerriss – und im nächsten Moment war das vertraute Bild der modernen Straßen spurlos verschwunden.
Anstelle von glattem Asphalt krachte der DeLorean hart auf staubigen, unebenen Boden. Mutti Knossi trat voll auf die Bremse. Das Auto schlitterte durch roten Sand und kam in einer dichten Staubwolke zum Stehen. Als sich der Staub langsam legte, blinzelte sie durch die Windschutzscheibe.
Die Sonne brannte unbarmherzig vom Himmel. Vor ihr erstreckte sich eine endlos weite, karge Wüstenlandschaft, durchzogen von rostroten Felsen und dornigen Kakteen. In der Ferne erkannte Mutti Knossi eine kleine Ansammlung von windschiefen Holzgebäuden. Eine klassische Westernstadt. Über dem größten Gebäude prangte in verblichenen Lettern das Wort: SALOON.
„Na dann wollen wir mal“, murmelte Mutti Knossi, richtete ihren Cowboyhut und griff nach ihrem Korb. Sie stieg aus und spürte sofort die trockene Hitze des Wilden Westens. Weit und breit war keine Spur der alten Silbermine zu sehen.
Entschlossen marschierte Mutti Knossi auf die staubige Hauptstraße der kleinen Stadt zu. Ein paar hölzerne Kutschen fuhren knarrend an ihr vorbei, und die Leute in ihren altmodischen Kleidern starrten verwundert auf diese selbstbewusste Frau in den modernen Klamotten, die zielstrebig auf den Saloon zusteuerte.
Mutti Knossi stieß die quietschenden Schwingtüren des Saloons auf. Schlagartig verstummte das Geklimper des alten Klaviers. Die Gespräche brachen ab. Ein Dutzend raubeinige, bärtige Cowboys, die gerade noch grölend Karten gespielt hatten, starrten sie finster an. Die Luft roch nach Zigarrenrauch, starkem Kaffee und Gefahr.
Ein besonders breitschultriger Cowboy mit einer Narbe über dem Auge und zwei riesigen Revolvern am Gürtel erhob sich langsam. Er spuckte lässig in einen messingfarbenen Spucknapf und baute sich bedrohlich vor Mutti Knossi auf.
„Wir mögen hier keine Fremden, Ma'am“, knurrte er mit einer Stimme, die klang wie Steine in einem Mixer. „Schon gar nicht welche, die ohne Erlaubnis von 'Grizzly-Gary' hier reinspazieren.“
Mutti Knossi ließ sich nicht im Geringsten einschüchtern. Sie stemmte die Hände in die Hüften, blickte dem riesigen Mann direkt in die Augen und sagte in ihrem allerbesten, strengen Tonfall:
„Pass mal gut auf, Grizzly-Gary oder wie auch immer du heißt. Ich habe eine sehr lange Fahrt hinter mir und mir ist furchtbar warm. Ich weiß aus zuverlässiger Quelle, dass mein Enkel Bubi Knossi drüben an der alten Silbermine festsitzt. Und wenn mir jetzt nicht sofort jemand den exakten Weg dorthin zeigt, dann werde ich richtig ungemütlich!“
Grizzly-Gary riss überrascht die Augen auf. So hatte noch nie jemand mit ihm geredet. Er wollte gerade wütend nach seinem Revolver greifen, da schlug Mutti Knossi kurzerhand das karierte Tuch von ihrem Picknickkorb zurück. Ein himmlischer, unvergleichlicher Duft nach frischer Schokolade, warmer Butter und einem Hauch Vanille strömte augenblicklich durch den gesamten Saloon.
Garys Hand blieb mitten in der Bewegung stecken. Seine Nasenflügel bebten.
„Ist… ist das… Backwerk?“, fragte er plötzlich ganz kleinlaut und seine raue Stimme brach ein wenig.
„Meine berühmten Schokotropfen-Kekse“, bestätigte Mutti Knossi und drückte dem furchteinflößenden Outlaw kurzerhand einen riesigen, noch leicht warmen Keks in die riesige Pranke. „Iss den, dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Und jetzt: Wo geht es zur Silbermine?“
Gary biss zaghaft in den Keks. Sein finsteres Gesicht erhellte sich augenblicklich, eine kleine Träne der Rührung rann über seine dreckige Wange.
„Das ist das Beste, was ich je gegessen habe“, schluchzte der riesige Mann leise. Er wischte sich über die Augen und deutete aufgeregt durch das schmutzige Fenster nach draußen. „Die alte Silbermine! Ja! Die ist direkt dort drüben hinter den rostroten Felsen! Er sitzt dort mit seinem komischen, glänzenden Metall-Wagen und kommt nicht weg!“
„Danke, Gary! Und kau anständig!“, rief Mutti Knossi, wirbelte herum und stürmte aus dem Saloon.
Sie rannte den staubigen Weg hinauf in Richtung der zerklüfteten Felsen, wo der Eingang der dunklen Silbermine gähnte. Und tatsächlich: Da stand er! Der Bühnen-DeLorean! Die Spezialeffekte-Kabel hingen traurig herab, und ein Reifen war völlig platt. Auf einem Felsen daneben saß Bubi Knossi und ließ deprimiert den Kopf hängen.
„Bubi Knossi!“, rief Mutti Knossi aus voller Kehle.
Bubi Knossi riss den Kopf hoch. Sein Gesicht leuchtete auf wie ein Weihnachtsbaum.
„Oma?! Wie hast du mich gefunden? Wo sind wir hier?“
Er rannte ihr entgegen und schloss sie fest in die Arme.
„Das haben wir Lias Recherchen zu verdanken. Ich erkläre es dir später, mein Schatz“, sagte Mutti Knossi und strich ihm beruhigend über den Kopf. „Wichtig ist, dass deine Oma hier ist. Lass uns in Papas Auto steigen und nach Hause fahren, bevor dein Vater König Knossi noch vor Sorge die ganze Burg auseinanderbaut.“
Sie eilten zu König Knossis echtem DeLorean, den Mutti Knossi in einer kleinen Schlucht sicher geparkt hatte. Doch als sie einsteigen wollten, ließ ein bedrohliches Geräusch sie erstarren.
KLICK-KLACK.
Es war das unverkennbare Geräusch eines entsicherten Gewehrs.
Mutti Knossi und Bubi Knossi drehten sich langsam um. Auf einem Felsvorsprung direkt über ihnen standen plötzlich fünf düstere Gestalten. Sie trugen schwarze Staubmäntel, und ihre Gesichter waren hinter dunklen Halstüchern verborgen. In der Mitte stand ein Mann, der eine glänzende, silberne Röhre in der Hand hielt.
Es war die Treibstoff-Phiole für den Fluxkompensator! Sie musste beim harten Aufprall aus dem Motorblock gefallen sein. Ohne sie kamen Mutti Knossi und Bubi Knossi niemals in das Jahr 2026 zurück.
Der Anführer der Bande schob sein Halstuch nach unten und grinste hämisch. Seine Zähne blitzen im gnadenlosen Sonnenlicht.
„Nun, nun, nun“, sagte er mit einer schleichenden, bedrohlichen Stimme. „Was haben wir denn hier? Eine Dame in komischen Kleidern, Bubi Knossi und einen magischen Silberwagen.“
Er warf die lebenswichtige Röhre spielerisch in die Luft und fing sie geschickt wieder auf.
„Mein Name ist 'Black-Jack' Knochenbrecher. Und in diesen Ländereien gehört alles, was glänzt, mir.“
Er richtete das Gewehr direkt auf den DeLorean.
„Wenn ihr dieses leuchtende Dingelchen wiederhaben wollt, Ma'am... dann müsst ihr es euch verdienen. Wir sehen uns heute Mittag am Uhrenturm unten im Tal. Ein Duell. Ihr gegen mich. Um Punkt zwölf Uhr mittags!“
Er lachte ohrenbetäubend, warf eine kleine Rauchbombe auf den Boden und im nächsten Moment war die Bande wie von Geisterhand hinter den Felsen verschwunden.
Mutti Knossi schaute eilig auf die große Digitaluhr im Armaturenbrett des DeLoreans. Es war exakt 11:00 Uhr. Sie hatten genau eine Stunde Zeit, um sich auf das gefährlichste Duell im Wilden Westen vorzubereiten. Ohne Waffen, nur ausgestattet mit dem grenzenlosen Mut der Knossis und einem Korb voller Kekse.
Bubi Knossi schaute Mutti Knossi mit riesigen Augen an.
„Oma... was machen wir jetzt?“
Mutti Knossi zog ihren Cowboyhut tief ins Gesicht, ballte die Hände zu Fäusten und lächelte furchtlos.
„Jetzt, Bubi Knossi... jetzt zeigen wir diesem Black-Jack mal, was echte Knossi-Power ist.“
Fortsetzung folgt... 🤠